Pressemitteilung: Passend zur Demo „Wir haben es satt“: Vogelsänger will mehr Massentierhaltung nach Brandenburg holen

Im kürzlich veröffentlichten Interview des Brandenburger Agrarministers Jörg Vogelsänger mit dpa und rbb im Rahmen der Grünen Woche verkündetet er, die Massentierhaltung in Brandenburg aus Gründen des Tierwohls ausbauen und deswegen sogar fördern zu wollen. Dazu erklärt Michael Wimmer, Geschäftsführer der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg (FÖL e.V.) und einer der Sprecher des Aktionsbündnisses Agrarwende Berlin-Brandenburg: „Dieses klare Bekenntnis unseres Landwirtschaftsministers lässt uns alle erschauern und fordert uns alle geradezu heraus, diesem Wahnsinn Einhalt zu bieten. Vogelsänger geht der Agrarindustrielobby voll auf Leim und lässt dabei auch noch jegliche Sensibilität vermissen.“
Seine Begründung ist Punkt für Punkt zu widerlegen:
Sein Hauptcredo lautet: Neuere Anlagen haben immer einen höheren Standard als alte Anlagen und seien daher Investitionen ins Tierwohl. Wimmer dazu: „Davon abgesehen, dass deswegen kein alter Stall ersetzt wird, sondern derzeit vor allem große Megaställe wie in Haßleben geplant sind: Wenn es dem Herrn Minister mit dem Tierwohl ernst wäre, würde er zukünftig das knappere Geld aus Brüssel ausschließlich für Stallneu- oder Umbauten einsetzen, die den Gold-Standard Bio oder wenigstens das neue Tierwohl-Label einhalten. Nach der von ihm verantworteten Praxis wird in Brandenburg derzeit keinerlei Unterschied zwischen konventionell-industriell und beispielsweise einer ökologischen Tierhaltung gemacht. Mecklenburg-Vorpommern oder Bayern lassen sich das Tierwohl beispielsweise 10% mehr kosten (35% statt 25% Agrarinvestitionsförderung). Das ist das absolut Mindeste, was der Landwirtschaftsminister tun müsste, wenn ihm das Tierwohl wirklich etwas bedeuten würde.“
„Zu seinem Argument, dass der Schweinefleischkonsum von 36 kg pro Mensch und Jahr irgendwo herkommen müsste, so sei ihm hiermit mitgeteilt, dass es doch schon längst nicht mehr um die Versorgung des eigenen Marktes geht, sondern dass wir die Eigenversorgung bereits längst erreicht haben und deswegen jedes zusätzliche Schwein direkt auf den Weltmarkt landet. Nur die Stickstoffbelastung und die Güllekonzentration großer Anlagen bleiben in Brandenburg.“ erläutert Michael Wimmer.
„Hinsichtlich des Umstandes, dass man in Brandenburg deutlich weniger Tierbestand habe als beispielsweise in Niedersachsen, so muss man ihn eindringlich vor niedersächsischen Verhältnissen warnen, wo faktisch der gesamte Grundwasserkörper mit Nitrat verseucht ist und man das Trinkwasser bereits aus dem Harz importieren muss. Kann das ein Landwirtschaftsminister wollen, der im nächsten Atemzug die Unberührtheit und Weite Brandenburgs besingt? Er wäre besser beraten, von den Fehlern anderer zu lernen.“ fasst Michael Wimmer zusammen.Aktionsbündnis Agrarwende Berlin-Brandenburg demonstriert bei „Wir haben es satt“
Zehntausende Menschen aus der ganzen Bundesrepublik ziehen im Rahmen der „Wir haben Agrarindustrie satt“-Demo in Berlin am 18. Januar 2014 vom Potsdamer Platz zum Bundeskanzleramt. Mit dabei ist das Aktionsbündnis Agrarwende Berlin-Brandenburg, um sich gemeinsam für eine bäuerliche und ökologische Landwirtschaft stark zu machen. Nicht zuletzt die geplante Großanlage in Haßleben mit ihren 37.000 Schweinemastplätzen oder die 1,7 Millionen neu beantragten Hähnchenmastplätze in Brandenburg haben viele aufgeschreckt.
Das Aktionsbündnis Agrarwende Berlin-Brandenburg wurde erst am 09.11.2013 gegründet und wird mittlerweile bereits von 40 Trägerorganisationen und Hunderten Unterstützern unterstützt. Das Aktionsbündnis beteiligt sich mit einem bunten Konzept an der Demo, um seiner Forderung nach einer naturverträglichen, regionalen und fairen Landwirtschaft in der Region Berlin-Brandenburg Nachdruck zu verleihen.
Weitere Infos unter: www.agrarwen.de oder www.facebook.com/agrarwen.de
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